Wahl 2013: Warum das mit der SPD nichts werden konnte

Farben kombinieren - aber richtig!

Politische Werbung nennt man Propaganda – so lernte ich es vor vielen Jahren einmal. In Zeiten nationaler Wahlen zum Bundestag überzieht ein Netz aus Propaganda unser Land und beschert zumindest der Druckindustrie eine Sonderkonjunktur. Bemerkenswert ansonsten ist eigentlich nur, dass niemand mehr dieser Werbung, die Allen Alles verspricht, Glauben schenkt, sie aber dennoch wie eh und je zelebriert wird. Kreative Ideen sind Fehlanzeige, aber möglicherweise ja auch fehl am Platze, weil man den rituellen Charakter so lieb gewonnen hat.

Wahlkampf ist, wenn der Kandidat an der Tür klingelt und der Dame des Hauses eine Rose überreicht oder die Kinder sich am Stand in der Fußgängerzone einen Luftballon mitnehmen dürfen. Sehr überzeugend auf Erwachsene scheinen gemeinhin bedruckte Kugelschreiber zu wirken. Von Plakatwänden und Aufstellern blicken einen Menschen an, deren Persönlichkeit im jeweiligen Parteiprogramm aufgeht, das in fünf bis zehn Worten auch noch Ausdruck findet. Besonders peinlich im reinen Wortsinn wird es, wenn dazu Kinder als Garnitur abgebildet werden. Nach der Wahl ist dieser Spuk dann glücklicherweise wieder vorbei.

Würden Sie so für Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung geworben bekommen wollen? So schablonenhaft, so wenig kreativ, so wenig nachhaltig? Aus der Vergangenheit ist mir selbst eigentlich nur ein Wahlplakat in Erinnerung geblieben. Es zeigt einen Blick von außen auf das hell erleuchtete Arbeitszimmer von Gerhard Schröder, der bereits Kanzler war und bis spät in die Nacht für Deutschland Entscheidungen getroffen hat. Warum diese unausgesprochene Aussage haften blieb, will ich hier lieber nicht weiter ergründen. Die Situation selbst kam mir dabei bekannt vor, auch ich arbeite schon mal bis in die Dunkelheit für meine Kunden.

Nun kanzlert Gerhard Schröder nicht mehr und die SPD siecht dahin. Kein Wunder, sage ich, wenn zum kleinsten gemeinsamen Werbeniveau auch noch handwerkliche Zweifelhaftigkeiten hinzu kommen. Ich meine speziell die Farbkombination aus klassischem SPD-rot und Kardinals-purpur (eigentlich ist das ja das schwärzere schwarz), die sich die Partei als Hausfarben verordnet hat lassen. Sie schmerzt in meinen Augen, so dass ich gar nicht hingucken will.

Besonders heftig ist die Wirkung bei öffentlichen Statements, die vor einer Wand in diesen Farben stattfinden. Auf den TV-Bildschirmen erscheinen sie besonders grell, kein Politiker, der nicht komplett in weiß, grau oder schwarz gekleidet ist, sieht davor gut aus. 99% aller Krawatten dieser Welt passen nicht dazu. Die Metapher „Wir geben eine schlechtes Bild ab“ wird hier rein visuell perfekt umgesetzt. So kann das natürlich nichts werden mit der Machtübernahme.

Die Konkurrenz zeigt, wie es besser geht. Das Restyling des CDU-Farbraums in hellblau und erdigem orange erzeugt positive Assoziationen von Aufbruch und Grenzen- ohne Maßlosigkeit, wirkt aktiv und freundlich. Bei den Grünen ist die Farbe ja Programm, wiewohl auch nicht immer leicht zu handhaben. Die blau-gelb-Kombination der FDP ist über Jahrzehnte zu einem Markenzeichen geworden, sollte inzwischen aber mal anders angewendet werden. Dieser Komplementärkontrast kann leicht grell und billig wirken und entspricht so nicht mehr dem Zeitgeist. Womit ich nicht behaupten will, die FDP verdankt ihr Wahlergebnis ihrer Farbkombination…

Weiterführende Links:
Ein paar Phrasen aus der SPD-Baracke zu den Hausfarben
Mittels Farbrad wird auf fashionboxx.net das Kombinieren erläutert (deutsch)
Selber Hand anlegen und Farbkombinationen ermitteln kann man online mit dem color calculator (englisch)

Quellennachweis Artikelbild: Composing, Grundbild Tim Reckmann/pixelio.de, Element genotas/deviantart.com

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