Streiflicht Kommunikation 3:
Fahr doch, du Depp!

Fahrzeugkommunikation

Die Ferienzeit naht und alle werden wieder unterwegs sein zu Orten, an denen sie eine Auszeit vom Alltag erhoffen. Auch ich werde in den kommenden Tagen mein Büro für vier Wochen schließen und Sie alleine mit dem Rest des Internets zurücklassen. Bereits im vergangenen Monat war ich an einem langen Wochenende in Paris, wo ich das Bild zu diesem Artikel aufgenommen habe. Es handelt sich um Lieferantenmopeds eines japanischen Restaurants mit einer ganz deutlichen Aufforderung, den Fischpiloten als Verkehrsteilnehmer zu beurteilen. Bereits vor vielen Jahren sind mir ähnliche, kleinere Aufkleber in Südafrika zum ersten Mal aufgefallen und seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Bei uns gibt es sie nämlich praktisch nicht, zumindest kann ich entsprechende Sichtungen der vergangenen Jahre an einer Hand abzählen. Welche Gründe könnte es dafür geben, dieses Kommunikationspotenzial eines Firmenwagens zu verschenken?

Der Verkehr, zumal in Ballungszentren, nimmt immer mehr zu und wird hektischer dadurch. Die guten Manieren und die Straßenverkehrsordnung bleiben oft genug dabei auf der Strecke. Die Toleranzgrenzen der Verkehrsteilnehmer mögen verschieden gesetzt sein, ich jedenfalls ärgere mich, wenn der örtliche Installateur durch unsere Tempo-30-Zone brettert wie ein Krankenwagen im Einsatz. Ich ärgere mich auch über DHL und Konsorten, für die die Verkehrsregeln teilweise ausgesetzt worden zu sein scheinen. Halten in zweiter Reihe, auf dem Gehweg und immer genau dort, wo gerade etwas abgeliefert werden muss und nicht an der nächsten geeigneten Stelle ist die Regel. Und weil alle genannten Fahrzeuge ihre Firmenzugehörigkeit werbend zur Schau tragen, hat dieser Ärger auch einen Adressaten.

Somit wird die Investition in eine auf- und gefällige Fahrzeuggestaltung ad absurdum geführt. Das Angebot einer, nennen wir es Beschwerde-Hotline, kann hier sowohl als Ventil wie auch als vorbeugende Disziplinierungsmaßnahme für die Fahrzeugführer dienen. So jedenfalls sieht man es bei Planet Sushi und war damit Vorreiter in Paris, einer Stadt, die ja durchaus auch für ruppigen Umgang im Straßenverkehr bekannt ist. Darüber hinaus kann man unter der Telefonnummer auch Lob über den Lieferanten oder das Essen aussprechen. Die Sinnhaftigkeit dieses Kommunikationsangebotes hat nach Darstellung auf der Homepage von Planet Sushi viele Konkurrenten zur raschen Übernahme veranlasst.

Würde ich nun in meinem Ärger den Installateur oder den Kurierdienst anrufen, so es denn die Möglichkeit gäbe? Möglich, aber zumindest bei Letztgenanntem würde ich wenig Sinn darin sehen. Es sind ja gerade auch die engen Zeitvorgaben der Firmen, die den Fahrern die Spielräume nehmen. Wenn sie könnten, würden sie sich wahrscheinlich nicht täglich in solche Konflikte mit ihrer Umgebung bringen. Aber um diese Aspekte geht es mir an dieser Stelle nicht.

Spannend finde ich, dass die Leute von Planet Sushi das Problempotential, das die Benutzung eines Firmenfahrzeugs mit sich bringt, erkannt, bewertet und kreativ darauf reagiert haben, indem sie die Einbahnstraßen-Kommunikation im Sinne von „Ich Firmenwagen, Du Information lesen“ aufgehoben haben. Die aktive Aufforderung zur Kontaktaufnahme sorgt für eine veränderte Wahrnehmung des Restaurants und ist nicht zu vergleichen mit der üblichen Adress- und Telefonnummer-Angabe. Ich habe über die Homepage Kontakt aufgenommen und bin auf weitere Aktivitäten gestoßen, die ins Bild passen. So war Planet Sushi das erste Restaurant in Paris überhaupt, das seine Gerichte kostenfrei nach Hause lieferte. Vorreiter war es auch beim Einsatz von Smart-Fahrzeugen ganz im Corporate Design gehalten.

Wenn auch Sie raus aus der Anonymität und das Werbepotential Ihres Fahrzeugs nutzen wollen, muss Ihnen klar sein, dass Gestaltungsfragen, bei denen ich Sie gerne unterstütze, nur der Anfang sind. Anschließend kommuniziert es und sein Fahrer ständig mit seiner Umgebung. Und was sagt Ihnen beispielsweise der stets vermüllte und verstaubte Kombi einer Gebäudereinigungsfirma? Oder der rostige und verbeulte Transporter einer Autolackierung? Oder das aggressiv durch den Verkehr pflügende Coupé des Finanzberaters? Ich glaube, alle diese Fahrzeuge vernichten Erfolge von Werbemaßnahmen ihrer Besitzer an anderer Stelle. Das muss nicht sein und das Beispiel von Planet Sushi zeigt, dass noch viel mehr Potenzial in Ihrem Fahrzeug steckt.

Der technische Fortschritt hat auch im Bereich der Fahrzeugwerbung die Möglichkeiten vermehrt und die Kosten verringert. Für die Kosten von eins, zwei traditionellen Print-Anzeigen lässt sich schon Einiges an Ihrem mobilen Werbeträger anstellen. Und wer sagt denn, dass ihr Firmenwagen sein Leben lang gleich aussehen muss. Jahreszeitlich wechselnde Motive können speziell auf mittlere Sicht große Aufmerksamkeit und Sympathie hervorrufen. Die Entscheidung, so wie die Leute von Planet Sushi einmal neue Wege zu gehen, müssen Sie allerdings selbst treffen. Dabei sollte Sie auch nicht entmutigen, dass ich selbst in Paris lebend eher kein Kunde geworden wäre  – Fisch ist einfach nicht so mein Ding.

Weiterführende Links:
In Frankreich und Lust auf Fisch?
Gestaltungsvorlagen, vielleicht ist Ihr Fahrzeug ja auch dabei

Quellennachweis Artikelbild: Composing unter Verwendung einer Information von Planet Sushi

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