Auf Tuchfühlung mit Spreadshirt – Teil 3

Spreadshirt und Recht

Die vorangegangen Teile dieser Artikelserie sollten verdeutlicht haben, dass die Zusammenarbeit mit Spreadshirt Spaß, aber auch Arbeit macht. Damit das Verhältnis zueinander auf Dauer stimmig bleibt, gehe ich nun noch auf die mit dieser Geschäftstätigkeit verbundenen Risiken ein. Nein – man muss kein Gewerbe anmelden, um Shoppartner zu werden, aber auch Hobbydesigner leben nicht in einem rechtsfreien Raum. Die gute Nachricht: Spreadshirt schultert einen beachtlichen Teil dieser Risiken. Die schlechte Nachricht: Es bleiben genügend für uns Shoppartner übrig.

Einen Online-Shop hat man genau so schnell eröffnet, wie man sich damit eine blutige Nase geholt hat. Beruhigend also, dass sich Spreadshirt um solche sensiblen Bereiche wie Impressum, AGB, Kontaktinformationen und Datenschutz kümmert. Hier ist der Shopbetreiber nicht in der Pflicht und folglich auch nicht in der Haftung. Das ist in Deutschland mit seinem teilweise steinzeitlichen Recht im Medien- und Wettbewerbsbereich nicht unwichtig. In Folge dessen werden nämlich strittige Sachverhalte von Gerichten entschieden, mit öfter mal überraschenden Ergebnissen, von denen man nicht weiß, wie sie im wirklichen Leben funktionieren sollen. Dennoch sind damit zunächst einmal Fakten geschaffen worden, zumindest so lange, bis ein anderes Gericht einen identischen oder ähnlichen Sachverhalt ganz anders bewertet. Verlässlichkeit für Geschäftsleute sieht anders aus!

Verschärft wird diese unerfreuliche Situation noch durch die Art und Weise, wie in Deutschland solche Verstöße verfolgt werden. Wenn es gut läuft, bekomen Sie einen Hinweis auf Ihr Fehlverhalten sowie die Gelegenheit zum Abstellen desselben und gut ist es. Kommt dieser Hinweis aber von einem Anwalt, heißt er Abmahnung und kostet sofort mindestens einen höheren dreistelligen Eurobetrag. Eine Einladung zum Gelddrucken, die sich die Zunft natürlich nicht entgehen lässt, auch Sie haben bestimmt schon von den so genannten Abmahnwellen im Internet gehört. Ob sich daran nochmal etwas ändern wird, ist zumindest zweifelhaft. Ich sage mal boshaft, das würde ja eine Hundertschaft zweitklassiger Anwälte für den Arbeitsmarkt verfügbar machen.

Grundsätzlich ist das Einhalten von Regeln im Wettbewerb und seine Durchsetzung natürlich eine elementare Angelegenheit und soll hier nicht diskreditiert werden. Was Ihren Shop betrifft, kümmert sich wie gesagt Spreadshirt darum. Aber Vorsicht: Hier ist nur der Shop selbst gemeint, und nicht die Website, in den Sie ihn möglicherweise einbinden oder der Blog, in dem Sie möglicherweise darüber schreiben. Das sind Ihre Baustellen und hier müssen Sie entsprechend umsichtig agieren. Wenn Sie dort behaupten, Ihre Shirts seien die schönsten, besten und billigsten Shirts, dann werden Sie auch alleine mit dem Echo leben müssen. Aber auch weniger offensichtliche Feinheiten gilt es zu beachten. Ein Beispiel: Die deutsche Spreadshirt-Plattform wurde mit dem renommierten Trusted Shops-Siegel zertifiziert. Das beinhaltet auch die Partner-Shops. Deshalb dürfen Sie das Siegel aber noch lange nicht auf Ihrer Website verwenden, denn es ist an Ihren Shop mit Spreadshirt als Vertragspartner gebunden. Als work-around wurde ein Spreadshirt-Garantiesiegel entwickelt, was auf die entsprechenden Informationen verweist. Dieses dürfen Sie bei sich einbinden.

Ein weiteres sehr kritisches Feld ist das Marken- und Urheberrecht. Die schönste Idee nützt Ihnen nichts, wenn sie so oder (zu) ähnlich bereits jemand anders hatte und (!) sie sich hat schützen lassen beim Deutschen Patentamt oder im Europäischen Markenregister. Recherchieren Sie dort besser, bevor Sie sich an die Arbeit der Umsetzung machen. Sie werden überrascht sein, was alles nicht geht, wobei ich nicht von Selbstverständlichkeiten wie Markenlogos oder Namen bekannter Persönlichkeiten rede. Ein Motiv zur Fußball-WM? Wird schwer werden, denn alle Bezeichnungen rund um beispielsweise „WM 2010“ sind von der FIFA geschützt und werden an Lizenznehmer verkauft. Auch Begriffe wie Bunny, Zicke, Luder aus der Alltagssprache sind schon markenrechtlich geschützt. Die verwaltenden Ämter sind da sehr großzügig und so nützlich diese Verfahren in ihrem ursprünglichen Ansatz sind, so muss man doch auch sehen, dass eine Eintragung Gebühren kostet, eine Laufzeit-Verlängerung mehr Gebühren kostet und ein Widerspruch gegen die Eintragung natürlich Gebühren kostet. Sollte dieser irgendwann Erfolg haben, wird selbstverständlich niemand an einem zweiten Eintragungsversuch gehindert. Gegen Gebühr natürlich.

Es ist also die volle Kreativität des Shop-Partners gefordert und man merkt, dass auch hier der „Fun-Part“ zwei Seiten hat. Wohl hat Spreadshirt ein Prüfverfahren für angebotene Motive implementiert und besitzt natürlich auch eine ausgebuffte Rechtsabteilung. Und selbstverständlich hat Spreadshirt ein Interesse am Wohlergehen seiner Shop-Partner, am Ende des Tages ist jedoch der Designer für seine Motive verantwortlich. Übrigens: Auch, wenn Sie nicht selbst gestalten, sondern nur Produkte mit Spreadshirt-Marktplatz-Motiven vertreiben, stehen Sie für Ihr ausgewähltes Angebot gerade. Die Bewertung, ob und wie ein Motiv mit einer eingetragenen Marke kollidiert, obliegt natürlich wieder Gerichten und ist noch unvorhersehbarer, als im oben angesprochenen Wettbewerbsrecht.

Bei einem ganz anderen Geschäftsrisiko gibt es eine solche Schicksalsgemeinschaft nicht: Bei allem, was Produktion, Logistik, und Service betrifft sind Sie außen vor. Fehlproduktionen, verlorene Pakete, Materialfehler und was sonst noch den Alltag eines Händlers betrüben kann, bekommen Sie in der Regel gar nicht mit. Das ist doch wirklich angenehm, oder möchten Sie sich selbst mit Ihrem Kunden auseinandersetzen, der ein schwarzes T-Shirt mit einem schwarzen Motiv bedrucken lässt (was sehr schön aussehen kann!) und mit der Begründung zurück gibt, man könne das Motiv nicht erkennen? Das ist alles schon passiert. Für Sie bedeutet das im schlimmsten Fall eine verlorene Provision.

Wer sich ausführlicher mit dem Geschäftsmodell von Spreadshirt auseinandesetzt wird feststellen, dass auch dort der Erfolg nicht vom goldenen Himmel des Internets fällt, jedoch die Chancen immer wieder nachwachsen. „Wir befähigen die User, ihr eigenes Ding zu machen“ – der geschäftliche Unterbau für diese 9-Worte-Strategie ist weitaus komplexer, als man zunächst annimmt. Wenn das nicht so wäre, gäbe es viel mehr Anbieter mit diesem Modell. So aber bleibt Spreadshirt eine von mir empfohlene Adresse, wenn man seiner Kreativität eine Plattform bieten möchte.

Weiterführende Links:
Markenrecht im Spreadshirt-Blog
Marken und T-Shirt-Druck in der Bewertung eines Juristen
Deutsches Patentamt DPMA
Europäisches Markenregister OAMI

Quellennachweis Artikelbild: Composing unter Verwendung von Spreadshirt Pressematerial

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