Auf Tuchfühlung mit Spreadshirt – Teil 2

shop-partner bei spreadshirt

Im ersten Teil meines Artikels habe ich viele Worte darauf verwendet, die Geschäftsgrundlage von Spreadshirt darzustellen. Wieviele Worte sind nötig, um eine tragfähige Web 2.0 Strategie zu beschreiben? Spreadshirt-Gründer Lukasz Gadowski reichen neun: „Wir befähigen die User, ihr eigenes Ding zu machen.“ User sind natürlich die Kunden, die sich ihr eigenes T-Shirt gestalten. User sind aber auch die Design-Partner von Spreadshirt, die Motive zur Verfügung stellen und diese manchmal auch selbst vermarkten. Ich gehöre zu der zweiten Gruppe und beschreibe hier meine Erfahrungen.

Die einfachste Möglichkeit, ein Design-Partner zu werden ist es, Vektor- oder Pixelmotive zu gestalten und auf dem bereits erwähnten Marktplatz der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Gestaltet sich jemand ein Produkt damit, hat man die selbst festgelegte Motivprovision verdient. Das ist meistens ein Betrag zwischen ein und sieben Euro, kann aber auch mehr sein. Wer also seine Kreativität am Puls der Zeit auslebt und schnell umsetzt bzw. ein Gespür für anlassbezogene Motive hat, kann sich so sehr unaufwändig einen Zusatzverdienst generieren.
Nachteil dabei ist jedoch, dass man auf dem Marktplatz in Konkurrenz zu zahllosen anderen Motiv-Designern steht. Es verhält sich ähnlich wie bei den Google-Suchergebnissen: Wer nicht vorne steht, wird kaum noch wahrgenommen. Beeinflussen kann man das Erscheinen seiner Motive nur durch überlegtes Setzen von Tags und dem Zuordnen zu Kategorien. Dennoch kann es immer wieder zu Verkäufen „out of the blue“ kommen, wenn z.B. ein anderer Partner ein Motiv übernimmt und in seinem Shop prominent platziert – das ist mir selbst auch schon passiert.

Damit ist auch die aufwändigere Möglichkeit genannt, Design-Partner von Spreadshirt zu werden. Man gestaltet mit seinen Motiven Produkte, sortiert diese optimalerweise selbst erstellten Kategorien zu und ist damit stolzer Shop-Besitzer. Nebenbei eröffnet sich so die Produktprovision als weitere Einkommensquelle. Großer Vorteil aus meiner Sicht ist, dass man so Interessenten attraktive Farb- bzw. Produktkombinationen bereits „fertig“ vorschlägt. Damit wird die Kaufentscheidung erheblich verkürzt oder sogar erst angestoßen. Seinen Shop kann man sodann online recht unkompliziert individuell gestalten, auch das gehört zum „Fun-Part“, wie Spreadshirt das Tun seiner Partner nennt. Krönung der Verpackung ist eine eigene Homepage für das eigene Label, in die der Shop geladen wird. Das muss natürlich nicht sein, aber ich bin diesen Weg gegangen.

Erfreulich ist, dass man bis hierher nur Kreativität und Zeit investiert hat. Es besteht aber die Möglichkeit, für 100,- im Jahr zum Premium-Partner aufzusteigen. Man erhält dafür ein paar Features, die den Auftritt optisch und vertriebstechnisch professionalisieren sowie, und das ist der eigentliche Punkt, die Möglichkeit, Designer-Shops einzurichten. Damit verfügt man über den gleichen Online-Produkt-Konfigurator wie Spreadshirt, kann aber die Motivauswahl selbst festlegen. Nach meiner Einschätzung sollte sich jeder, der sich ernsthaft und längerfristig etwas aufbauen will, den Premium-Status spätestens nach der Orientierungsphase gönnen. Wer mit seinem Shop auf einem Nebengleis zu einer bestehenden Aktivität, Marke oder Institution fährt, kommt auch als „Normalo-Partner“ gut klar. Reine Motiv-Designer sind hier ja sowieso nicht angesprochen.

Wenn nun nach der Einrichtungsphase die Eröffnung war, stellt die große Mehrheit der Betreiber fest, dass auch der schönste Shop ganz schön tot sein kann. Dafür habe ich keine Statistik zur Hand, das Thema wird in der Spreadshirt-Community jedoch niemals kalt – und mir ging es ja schließlich auch nicht anders. Zwei Stellschrauben hat man im Wesentlichen, um diesen unschönen Zustand zu ändern, ihre Bedienung erfordert jedoch strategisches Denken, Fleiß und Ausdauer. Genau hier artet der „Fun-Part“ dann in Arbeit aus, ohne die auch im Web 2.0 niemand vom Motiverfinder zum Millionär wird.

Stellschraube 1 beeinflusst die inhaltliche Ausrichtung des Angebots und den Aufbau. Ich weiß nicht mehr, wieviele Shops ich in meiner eigenen Orientierungsphase besucht habe, die im Grunde eine strukturlose Ansammlung von inhaltlich und gestalterisch verschiedenen Motiven waren. Das ist der klassische Wühltisch. Besonders anstrengend wird es, wenn von den Motiven dann noch unzählige Produktkombinationen angelegt werden. Niemand wühlt sich durch bis Seite 18 in der Hoffnung, doch noch das Motiv seines Lebens zu finden. Schon gar nicht beim zweiten oder dritten Shop dieser Art. Kategorien anlegen und die Motive zuordnen wäre hier eine Form der Ersten Hilfe.
Hochgradig sinnvoll ist es jedoch, gleich den ganzen Shop einem Thema zu widmen, dem man sich idealerweise nahe fühlt, denn dann kann auch die Vermarktung zielgerichtet erfolgen. Motive, die nicht dazu passen, werden einfach auf dem Spreadshirt-Marktplatz veröffentlicht. Der große Vorteil: Man bleibt flexibel und hat dennoch ein griffiges Angebot. Auch ich gehe so vor: Mit citshirt.com spreche ich eine klar und eng definierte Zielgruppe an, und zwar in einer verschärften, weil exklusiven Form. Diese Motive stehen auf dem Spreadshirt-Marktplatz nicht zur Verfügung. Dagegen sind die unspezifischen Motive von t-signshirt.com auch dort und vielleicht sogar in anderen Shops zu haben. Die strikte Begrenzung auf drei bis vier Produkte je Motiv sorgt nicht nur für Übersichtlichkeit, sie erspart später auch eine Menge Wartungsarbeit. Das Spreadshirt-Sortiment ist immer in Bewegung. Farben und Modelle gehen, werden ersetzt oder kommen – bei hunderten von Produkten verliert man leicht den Überblick und die Zeit für die Sortimentsanpassung kann man eigentlich sinnvoller nutzen.

Stellschraube Nr. 2 habe ich gerade schon erwähnt: Die Vermarktung. Nachdem man sich mit Motiven und Shop positioniert hat, liegt hier das wahre Geheimnis des Erfolges. Es mag die Künstlerfraktion überraschen, aber man kann auch als Vertriebler mit Spreadshirt „sein Ding machen“, ohne ein einziges Motiv gestaltet zu haben. Eine Auswahl guter Marktplatz-Motive ansprechend und offensiv präsentiert führt auch zum Erfolg. Durch die enthaltene Motivprovision des Künstlerkollegen gerät die Marge allerdings unter Druck, oder die Angebote sind teurer, als direkt bei Spreadshirt oder im Shop des Designers.

Vermarktung von einem online-Produkt findet natürlicherweise auch online statt, also in den sozialen Netzwerken. Das spricht nicht gegen klassische offline-Werbung wie Flyer oder Postkarten als flankierende Maßnahmen, wenn sie durchdacht eingesetzt werden. Wie wichtig das Thema ist, kann man an auch an dem Aufwand ablesen, mit dem Spreadshirt seine Partner unterstützt. Checklisten, Tutorials, Reports und auch der in Teil 1 dieser Artikelserie erwähnte Workshop gehören dazu. IT-seitige Anstrengungen mündeten u.a. in Statistik-Tools und einer Facebook-App zur Integration des Partner-Shops ebenda. Pinterest, YouTube und Flickr sind weitere visuell orientierte Netzwerk-Kandidaten, die sich zu nutzen lohnen. Bisher „unsozial“ veranlagte Shopbetreiber werden also umdenken oder sich eine gespaltene Persönlichkeit zulegen müssen. Auch eine Sichtung der online verfügbaren Presseportale gehört in den Bereich der Vermarktung.

Nachdem ich mich als Spreadshirt-Partner positioniert habe, findet parallel zur Erstellung dieser Artikelserie eine strukturelle Anpassung meiner Angebotspräsentation statt, entsprechend meiner gewonnenen Erkenntnisse. Ziel ist eine kompaktere Produktauswahl mit direkterem Zugriff. Darauf aufbauend wird die Vermarktung im Vordergrund stehen, die ich bisher nur selektiv ausprobiert habe, zu gegebener Zeit werde ich auch darüber berichten. Man neigt zu Anfang dazu, sich in Organisation und Ausgestaltung seines Shops zu verlieren, sollte aber rasch zu einem soliden und wartungsarmen Unterbau kommen. Die Zeit fehlt sonst für Kreation und Vermarktung. Die dabei auftretenden Risiken und Nebenwirkungen möchte ich im abschließenden dritten Teil der Artikelserie beleuchten.

Weiterführende Links:
Marketing-Tipps von Spreadshirt für seine Shop-Partner
citshirt.com ist mein Themen-Shop, Hintergrundinformationen gibt es hier
t-signshirt.com ist mein allgemeiner Shop, Hintergrundinformationen gibt es hier

Quellennachweis Artikelbild:
Composing unter Verwendung eines Grundmotivs von wilhei/pixelio.de und spreadshirt pressematerial

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